Reaktionen, Hintergründe und Ansätze zum Umgang

Was ist Eifersucht?
Eifersucht tritt in vielen Facetten, Altersklassen und Lebenslagen auf. Eifersucht kann als leichte Gefühlsschwankung in Erscheinung treten oder sich zu einem heftigen Gefühlssturm entwickeln. Um was handelt es sich bei der Eifersucht?
Eifersucht ist eine spezielle Form des Neides. Sie tritt in Beziehungen auf, vor allem in sogenannten Dreiecks-Beziehungen, also zwischen drei Menschen oder zwei Menschen und einem Sachverhalt (z.B. dass ein Partner auf seine Partnerin eifersüchtig ist, weil sich diese zeitlich stark einem Hobby widmet und deshalb nicht mehr viel zuhause ist) . Eifersucht kommt meist in Beziehungen vor, in de-nen sich ein Partner einem anderen stark verbunden fühlt. Der, dem er sich verbunden fühlt, wendet sich aber einer anderen Person, einer Sache, Aufgabe oder einem Hobby zu. Der Eifersüchtige schließt aus der Zuwendung, dass der Partner in der anderen Beziehung (oder in der Beschäftigung mit der Aufgabe) glücklicher zu sein scheint, als in der eigenen. Das bedeutet, dass das (vermeintliche) Glück des Partners mit einer anderen Person zum Anlass für die Eifersucht wird. Die eifersüchtige Person fühlt sich dadurch häufig ausgegrenzt, herabgesetzt, reagiert verletzt oder hat Angst, verlassen zu werden.
Immer wieder geht die Eifersucht auch mit Scham einher. Der Eifersüchtige schämt sich dafür, offenbar nicht über genügend Attraktivität oder andere gewinnende Eigenschaften zu verfügen, weil sich der Partner anderen Menschen zuwendet und deren Gesellschaft (vermeintlich) vorzieht.
Eifersucht kann sich in Wut und in Angstreaktionen äußern, die sich auch häufig miteinander verbinden. Dabei handelt es sich um die Angst, den Partner zu verlieren und um die Wut, dass der Partner dem Eifersüchtigen nicht den wichtigsten Platz neben sich lässt.

Reaktionen des eifersüchtigen Menschen
Ausgelebte Eifersucht ist facettenreich. Eifersüchtige Menschen können dazu neigen, sich bereits bei kleinen Anlässen beleidigt zurückzuziehen. Unter Umständen beginnen sie, Kontrolle über das Leben des Partners ausüben zu wollen, indem sie ihm hinterherspionieren oder ihm viele (zum Teil bohrende) Fragen stellen, die ihnen die angeblich fehlende Transparenz verschaffen soll. Durch das Kontrollverhalten wollen die eifersüchtigen Personen wieder die verloren gegangene Sicherheit und das Gefühl der Treue zurückgewinnen.
Wer von eifersüchtigen Gedanken geplagt wird, wittert schnell Verrat und Untreue. Kleinigkeiten werden aufgebauscht, weil dahinter immer mehr befürchtet wird. Die Fantasie wird von peinvollen und quälenden Vorstellungen belagert. Zeitweise werden die Gefühle der Unsicherheit, der Angst und des Misstrauens als Stürme erlebt

Zu anderen Zeiten kann sich der Eifersüchtige an den Partner klammern oder unternimmt Versuche, ihn zu vereinnahmen. Wenn dieses Verhalten nicht zur gewünschten Zuwendung und Aufmerksamkeit führt, reagiert der Eifersüchtige mit beleidigtem Rückzug oder mit offener Anklage, mit Vorwürfen und Rebellion. Gelegentlich soll das widerborstige Verhalten auch dazu dienen, dass der andere den Vorwürfen und der Anklage heftig widersprechen möge, um so seine Liebe und Treue zu beteuern. Oftmals führt das Greifen nach der Aufmerksamkeit und der Zuwendung des Partners, das häufige Nachhaken und sich vergewissern wollen genau zum gegenteiligen Effekt: der Partner fühlt sich vereinnahmt, in seiner Freiheit und in seinen Entscheidungen eingeengt, wehrt sich durch Rebellion oder Rückzug dagegen und wendet sich dorthin, wo er mehr Freiheit erlebt. So kann es für die eifersüchtige Person zu einer sich selbsterfüllenden Prophezeiung kommen.
Vielfach ist der Eifersüchtige von dem Wunsch bestimmt, dass der Partner sich von dem Rivalen/der Rivalin vollständig abwenden möge oder davon, dass sich die Umstände auf wundersame Weise ändern werden. Die Veränderungswünsche auf die eigene Gedanken- und Gefühlswelt zu richten, kommt dem Eifersüchtigen dabei kaum in den Sinn.
Auch viele alltägliche Situationen können zum Nährboden für eifersüchtige Gedanken werden, die die eifersüchtige Person als qualvoll erlebt. So kann beispielsweise eine Situation, in der der Partner sich einer anderen Person im Gespräch über einige Zeit freundlich zuwendet, zu folgenden Gedanken führen: „Schau, mit der Person kann er/sie sich lange und aufmerksam unterhalten. Bei mir ist er/sie nie so aufmerksam. Für mich nimmt er/sie sich nicht so viel Zeit. Offensichtlich bin ich für ihn/sie nicht so interessant, dass er/sie sich bei mir keine Mühe gibt. Ich bin ihm/ihr weniger wert, ich bin in seinen/ihren Augen wohl weniger attraktiv und anziehend. Sonst würde er/sie auch solche Gespräche mit mir führen!“

Die Angst, den Partner/die Partnerin zu verlieren, weckt massive Selbstzweifel. Denn den Verlust in-terpretiert der Eifersüchtige für sich so, dass er nicht attraktiv, interessant oder liebenswert genug ist, sonst würde der Partner/die Partnerin sich nicht anderen Menschen zuwenden. Eben diese Selbst-zweifel befeuern aber nun wieder den Neid auf die, die das bekommen, worauf der Eifersüchtige ein Anrecht zu haben glaubt.

Leben stark eifersüchtige Menschen ihre Eifersucht über lange Zeit in einer Beziehung aus, so ist sie meist von vielen Krisen geprägt oder sie ist gefährdet, oft auch bereits zerstört. Weil sich die eifersüchtige Person zunehmend verletzt fühlt und glaubt, einen Anspruch auf die Zeit und Zuwendung des Partners/der Partnerin zu haben, zieht sie sich immer mehr zurück und versucht dadurch den Partner/die Partnerin zu bestrafen. Schreitet dieser Prozess ungehindert fort, will die eifersüchtige Person den Partner nicht mit anderen Menschen teilen müssen und verweigert es, gemeinsamen Einladungen oder Besuchen von anderen Menschen nachzukommen. Dieses Argument benutzt der Eifersüchtige, um sich vor weiteren Verletzungen zu schützen. Er kommt jedoch nicht auf die Idee, sein Verhalten und Denken zu hinterfragen, doch schränkt er dadurch das Potenzial einer Ehe dras-tisch ein. Mit diesem distanzierten Verhalten verschärft sich der Konflikt, denn der Partner/die Partne-rin des Eifersüchtigen fühlt sich auf Dauer missachtet und bekommt in dieser Beziehung die wesentlichen Grundbedürfnisse nicht mehr erfüllt. Weil die eifersüchtige Person die Schuld alleine beim Ge-genüber sieht und sich selbst als Opfer wahrnimmt, sind Gespräche über Eifersucht und möglichen Ursachen mit dem eigenen Partner/der eigenen Partnerin häufig unmöglich. Die Forderung nach Veränderung richtet sich also weniger darauf, die eigenen eifersüchtigen Wahrnehmungen zu hinterfragen, als vielmehr den Partner/ die Partnerin des Eifersüchtigen (oft auch mit Liebesentzug) zur Verän-derung zu zwingen. Zunehmend belasten diese Veränderungsforderungen den Partner/die Partnerin, die sich infolgedessen auch nicht mehr geliebt und wertgeschätzt fühlt. Weil in dieser Atmosphäre kein gelingendes Ehe-und Familienleben möglich sein wird, wird in den meisten Fällen der Partner, der nicht eifersüchtig ist, die Beziehung auflösen. Doch bevor wir von Trennung sprechen, sollten wir uns den Ursachen von Eifersucht widmen.

Welche Ursachen haben die Gefühle der Eifersucht?

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Die Gedanken dieses Artikels lehnen sich im Wesentlichen an Überlegungen folgender Bücher an: Baar, Hanne. Quälgeist Eifersucht. Die Geschichte einer Heilung. Würzburg, 2004. und Kast, Verena. Neid und Eifersucht. Die Herausforderung durch unangenehme Gefühle. Zürich, 1996.

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Autor/in: RedaktionKategorien: Beziehung, Ehe, Erziehung, FamilieKommentare: 0

Veröffentlicht am

20. November 2019

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